Zum Hören und Sehen

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OsterandachtOrgelmusik in der Karwoche, Passionsgeschichte erzählt 

Osterandacht aus der Alten Kirche am Main 

  

Die Passionsgeschichte nacherzählt in 6 Teilen 

Erster Teil - Einzug in Jerusalem: 

 

Zweiter Teil - im Garten Getsemane: 

 

Dritter Teil - Petrus im Hof:

 

Vierter Teil - Jesus wird verhört:

 

Fünfter Teil - die Kreuzigung:

 

Sechster Teil - Auferstehung:

von Ines Fetzer und Theresa Fischer, gefilmt von Ole Schreiter

 

Orgelmusik in der Karwoche

helenestreck

Von Palmsonntag bis Ostern improvisiert unsere Organistin Helene Streck über verschiedene Choräle an der Orgel in Hochstadt oder Dörnigheim. Den Link zur Musik und Gedanken zum Lied zum Nachlesen finden Sie hier:

Palmsonntag 5.4.2020 - Du schöner Lebensbaum (Evangelisches Gesangbuch 96):

https://www.youtube.com/watch?v=pY-1Ky2EJWI&t=19s Gedanken zum Lied hier

Montag 6.4.2020 - O Haupt voll Blut und Wunden (Evangelisches Gesangbuch 85)

https://www.dropbox.com/s/4wx2k31u55ai1f5/O%20Haupt%20voll%20Blut%20und%20Wunden.mp4?dl=0 Gedanken zum Lied hier

Dienstag 7.4.2020 - Ein Lämmlein geht (Evangelisches Gesangbuch 83)

https://www.youtube.com/watch?v=iu0WYYGcgCU  Gedanken zum Lied hier

Mittwoch 8.4.2020 - Holz auf Jesu Schulter (Evangelisches Gesangbuch 97) 

https://www.youtube.com/watch?v=hIcvuJVidPc Gedanken zum Lied hier

Donnerstag 9.4.2020 - Mein Suchen mein Fragen (EGplus 27)

https://youtu.be/aF9XCJn9ipU Gedanken zum Lied hier

Karfreitag 10.4.2020 - O Traurigkeit, o Herzeleid (Evangelisches Gesangbuch 80)

https://www.youtube.com/watch?v=ajOlUIv3vYE Gedanken zum Lied hier

Karsamstag 11.4.2020 - Requien

https://youtu.be/tKcccZtC1wo Gedanken zum Lied hier

Ostersonntag 12.4.2020 - Christ ist erstanden (Evangelisches Gesangbuch 99)

https://www.youtube.com/watch?v=5D4Z1pki8kI Gedanken zum Lied hier

Gedanken zum Lied "Du schöner Lebensbaum" von Pfarrer Eckhard Sckell

Heute ist Palmsonntag. Es ist noch eine Woche bis Ostern. Für uns sind es sieben Tage, die wir in unserem nun veränderten Alltag erleben. Wie werden wir uns auf dieses Ostern vorbereiten? Wie erleben wir diese letzten Tage der Passionszeit? In diesem Jahr ist äußerlich gesehen alles anders. Und doch wird es auch in diesem Jahr Ostern werden.

Mit dem heutigen Palmsonntag rückt Jesus Christus unmittelbar in den Blick. Die Bibel erzählt, dass Jesus auf einem jungen Esel in die Stadt Jerusalem einzieht. Die Menschen empfangen ihn. Die einen voller Freude, die anderen voller Skepsis, manche sogar feindlich. Weil jeder in diesem Mann aus Galiläa etwas anderes für sich sieht. Ich frage mich: Was wäre gewesen, wenn ich da am Straßenrand gestanden hätte? Wie hätte ich reagiert, als Jesus auf dem Esel in die Stadt eingezogen ist?

Heute hören wir das Lied „Du schöner Lebensbaum“. Der Frankfurter Stadtjugendpfarrer Dieter Trautwein suchte für das ökumenische Liederbuch „Cantate Domino“ ein ungarisches Lied, sein Kollege Vilmös Gyöngyösi empfahl ihm das Lied von Imre Péczeli Király, das in Ungarn sehr beliebt ist. Beide Pfarrer übertrugen den Text aus dem 17. Jahrhundert ins Deutsche und nahmen dabei die Frage in den Blick: „Wer ist dieser Jesus für mich?“

Jesus Christus ist unser Retter, er ist unser Befreier. Er gibt sein Leben, er verschenkt Gott sich. Gott gibt alles für uns. So groß ist seine Liebe. So ist Gott.

In diesem Lied wir Jesus verglichen mit einem Lebensbaum. Eine alte Legende erzählt: Seth, der Sohn von Adam und Eva, kommt an die Pforte des Paradieses. Er darf nicht hinein, denn seit der Vertreibung seiner Eltern versperrt der Erzengel Michael den Eingang. Aber dreimal darf er in den Paradiesgarten blicken. Zweimal sieht er einen verdorrten Baum, beim dritten Mal einen grünenden Baum, in dessen Wipfel die Jungfrau Maria und das Jesuskind erscheinen. Der Erzengel gibt ihm drei Samenkörner des Lebensbaumes mit, die er seinem Vater nach dessen Tod unter die Zunge und damit ins Grab legen soll. Aus Adams Grab wachsen zunächst drei Bäume: eine Zeder als Symbol der Unvergänglichkeit, eine Zypresse als Symbol der Trauer und eine Palme als Symbol der Auferstehung. Später wachsen diese Bäume zu einem Baum zusammen. Und noch viel später wird aus dem Holz dieses Baumes das Kreuz Jesu gezimmert.

Das Bild des Lebensbaumes als Kreuzesbaum Jesu ging in die christliche Überlieferung ein. Im Herzoglichen Museum in Gotha hängt ein Bild, das Lucas Cranach der Ältere 1529 gemalt hat. In der Mitte steht der Lebensbaum. Auf der einen Seite sind seine Äste verdorrt, im Hintergrund ist die Vertreibung aus dem Paradies zu sehen. Auf der anderen Seite ist der Baum grün, hier sind die Passion und die Auferstehung Jesu abgebildet. In unserem Liedtext verschmilzt das Bild des Baumes mit der Figur des Christus: „Du schöner Lebensbaum des Paradieses, gütiger Jesus…Du bist der wahre Retter unseres Lebens, unser Befreier.“

Gedanken zum Lied "O Haupt voll Blut und Wunden" von Pfarrer Uwe Rau
Kaum noch atmen können. Schmerzen, Durst.  Ausgesetzt sein,- den Blicken, auch dem Spott. Auch dem Achselzucken.
Wie schaue ich auf Menschen, denen es so geht wie Jesus am Kreuz, ausgesetzt und völlig hilflos geworden? Menschen, eingepfercht in den Flüchtlingslagern dieser Welt. Auf sie wird geschaut mit einem Gemisch aus Angst und Mitleid. Aber auch Traurigkeit und Zorn.- Dass so etwas sein kann und von der Menschheit zugelassen wird!
Wie schaue ich auf Menschen, die mir in Bildern gezeigt werden, wie sie zwischen Trümmern hausen. Im täglichen Kampf für sich, für Kinder und Alte genug zum Essen zu bekommen. Verwundet an Leib und Seele.
Wie schaue ich auf Menschen in den Krankenbetten rund um die ganze Erde.  Ausgeliefert, hilflos.- Ansteckend und darum abgeschirmt, weggeschlossen.
„Ich will hier bei dir stehen“. Bei Jesus stehen, dem am Kreuz hängenden, fiel denen schwer, die zu ihm gehörten. Seinen Jüngerinnen und Jüngern. Ihm beistehen, das konnten nur wenige Frauen. Die meisten hielten Abstand oder waren gar nicht da.
Was geschieht im Beistehen? Es wird erkennbar: Ich gehöre zu ihm. Ich bin mit ihm. Ich bin (irgendwie) mit ihm am Kreuz. Mit hilflos, mit ausgeliefert, mit gepeinigt.
Bei ihm stehen, das konnten sie vielleicht, die verstanden hatten was zu tun ist in so einer Situation. Was sie in sich trugen an Klarheit und Liebe, setzten sie um in die Tat. Daran konnte sie niemand hindern. Auch nicht ihre eigene Angst.
So wie alle, die sich um Mitmenschen kümmern. Sie sind stark, indem sie solidarisch sind und sich an die Seite derer stellen, die ausgegrenzt werden, die der Gewalt anderer ausgesetzt sind, die ihr täglich Brot nicht bekommen, die krank geworden sind.„Ich will hier bei dir stehen“. Bei ihnen stehen, bei ihnen sein und heilende Maßnahmen durchführen. Einfach da sein, wenn jemand stirbt. „Von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht“. Bei Jesus bleiben bedeutet bei denen bleiben, die sterben. Es bedeutet bei denen zu stehen, die von Tod in irgendeiner Weise umfangen sind. Dass niemand alleine gelassen wird.
„Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod“. Mein eigener Tod wird irgendwann geschehen. Vielleicht ist er schon zeitlich nahe, vielleicht noch fern? Er ist gewiss,- auch wenn ich nicht weiß, wie mein Tod sein wird. Ich weiß, dass einmal alles zum Ende kommt, was mein Leben in dieser Welt ist und war. Das zu wissen ist heilsam und schmerzvoll zugleich. Was tröstet mich dann in meinem Tod? Was könnte ein „Schild“ für mich sein? – Hinschauen auf das Bild Jesu in seiner Kreuzesnot, das ist der Trost für Paul Gerhard, den Dichter dieser Liedverse. Er lebte in einer Zeit, in der während des Dreißigjährigen Kriegs und durch eine schlimme Pest viele Millionen Menschen in Europa starben. Wie auch immer das Leben zu Ende gehen mag, ob mit Qual und Schmerz im Leib, ob mit seelischer Pein um ein „zu spät“, „gescheitert“, „verschuldet“, ich kann davon erlöst sein. Und darum froh. Davon war Paul Gerhard überzeugt.

Ich möchte dann, wenn mir am „allerbängsten“ ist, mein Herz öffnen für den Jesus - Menschensohn am Kreuz. „Wer so stirbt, der stirbt wohl!“

Gedanken zum Lied "Ein Lämmlein geht..." von Pfarrer Dr. Martin Streck

Gottes Lamm – uns zu gut Jesus kam zum Jordan. Von Johannes dem Täufer wollte er getauft werden. Als Johannes Jesus kommen sah, sagte er: „Seht, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Das erinnert an Worte, die der Prophet Jesaja den Juden zugesprochen hat: „Der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert wurde, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“ In seinem Leiden ist Jesus dem Volk der Juden, das so viel gelitten hat, seinem Volk, ganz nah. Menschen leiden. Sie werden schwach und schwächer. Ihre Stimme verstummt. Jesus hat für uns gelitten. Aus freier Liebe heraus hat er das erwählt – uns zu gut. Bis er verstummte. Aber nicht für immer. Wir sprechen vom Osterlamm. Das Lamm mit Kelch und Fähnchen zeigt uns: die Liebe ist stärker als der Tod. Darum wird das Lamm mit Gott auf dem Thron sitzen. Mitten in der Stadt, wo die Menschen leben, steht ihr Thron. „Und es wird keine Nacht mehr sein“.

Gedanken zum Lied "Holz auf Jesu Schulter" von Pfarrer Uwe Rau

Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung. Sein Kreuz selber tragen. Den Boden unter den Füßen verloren, ohne Rutschfestigkeit, das Gewicht des Kreuzes zwingt Jesus in die Knie. Haltlos wird er doch getragen. Wenn sich der Boden unter unseren Füßen auftut, wenn wir ins Rutschen geraten, keinen Halt finden, können wir doch nicht tiefer fallen als in Gottes Hände.
Jesus geht seinen Weg konsequent, er weicht den Tiefen nicht aus, nicht dem Tod, dem Tiefpunkt des Lebens. Gottes Liebe reicht auch bis in diese Tiefe und erhebt ihn – und auch uns – in die Höhe.
Ein Mensch am Ende seiner Kräfte. In seinem Zusammenbruch schreit die ganze Menschheit ihre Verzweiflung heraus. Der Balken, der ihn niederdrückt, ist der Fluch dieser Erde. Unsere Schuldenlast bringt ihn zu Fall. Doch die Unbarmherzigkeit kennt immer noch keine Grenzen. Jesus ist am Ende, doch seine Peiniger sind noch nicht fertig mit ihm. Wieder auf! Worte können nicht beschreiben, was nur die verstehen, die es selbst erlitten haben: Ausgebrannt zu sein. Wieder fällt Jesus unter der Last des Kreuzes. Wieder und wieder fallen auch wir. Jesus liegt am Boden. Der Leib zerschlagen, die Seele ermattet, hoffnungslos müde. So wird er zum Verbündeten aller Verzweifelten. Festgenagelt an das Holz. Keine Fluchtmöglichkeit. Kein Bewegungsspielraum. Jesus ans Kreuz geschlagen mit Hammer und blanken Nägeln. Keiner holt ihn mehr herab. Ein paar Nägel reichen, den Menschen alle Freiheit und alle Hoffnungen zu rauben. Solche Nägel gibt es viele: Krebs und Aids sind oft Nägel, die keinen Spielraum mehr lassen. Mörderische Gewalt und tödlicher Hunger. Ans Kreuz schlagen, konnten nicht nur die Römer. Jemanden ans Kreuz zu schlagen, können die Menschen bis heute. Oft schmerzen uns die Augen von dem, was wir sehen; tun uns die Ohren weh von dem, was wir hören; verstummt uns der Mund vor dem, was geschieht. Warum? Warum die Nacht um mich? Warum die Angst und der Tod? Warum? Dem Tod ausgeliefert. Angst. Gott ausgeliefert. Trost. Weil Jesus sich der Todesangst auslieferte, dürfen wir hoffen, dass wir auch in den schlimmsten Ängsten Gott anvertraut sind.
Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Gedanken zum Lied "Mein Suchen, mein Fragen" von Pfarrerin Ines Fetzer

Zum Menschen gehört es, Fragen zu stellen. Wir sind auf der Suche nach Sinn, nach Erfüllung, nach uns selbst, nach Gott. Wir können nicht aufhören zu fragen, auch wenn es noch so lästig ist und wir die wesentlichen Fragen wohl nie abschließend beantworten können - die Frage nach Leid und Not, die in der Passion Jesu so exemplarisch sichtbar wird, ebenso wenig wie die Frage nach Tod und Leben, die sich uns an Ostern stellt. Und trotzdem macht das „singende Ich“ die Erfahrung, dass sich Ruhe einstellen kann: nicht im Vergessen oder Verdrängen, sondern in der Begegnung mit dem Du. Das Du ist namenlos. Und wirkt dennoch vertraut, tatsächlich ein Du. Dieses Du verändert viel. Es verwandelt meine Wünsche, es gibt meinem Lachen und Weinen Raum, es bringt mein Sehnen zur Ruhe. Ein Du mit einer solchen Kraft, nennen wir Christen „Gott“. Diesem Du vertraute sich Jesus in seiner schwersten Stunde an. Diesem Du begegneten die Frauen am Ostermorgen. All unsere Unruhe, unser Sehnen und Hoffen findet Erfüllung in diesem Du. „Meine Selle ist unruhig, bis sie Ruhe findet in dir,“ sagte der Kirchenvater Augustin. Und so enden die Strophen dieses Liedes alle in dem entscheidenden Satz: „Du bist bei mir!“

Gedanken zum Lied O Traurigkeit, o Herzeleid von Pfarrer Uwe Rau
Worte können den Tod nicht erklären und nur selten trösten.
Das Schweigen Gottes am Karfreitag, von dem der ehemalige Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle, sprach, das Schweigen Gottes bei dem Tod eines jeden Menschen bleibt.
„Das Schweigen Gottes bleibt, und dieses Schweigen wird durch Ostern nicht ausradiert. ... In Ostern ist zwar der Karfreitag überholt, aber zu Ostern, in Ostern hinein gehört für immer das Schweigen des Karfreitags. Das Wort ist Schweigen geworden. Und nur wer dieses Schweigen versteht, versteht das Wort.“
Das Schweigen zu verstehen, heißt, ohne Antworten zu vertrauen. Den Tod anzunehmen, ist ein Akt des Glaubens, dem schweigenden Gott zu vertrauen. In die Schatten des Todes fällt Licht. Es bleibt nicht alles dunkel. Das Dunkel bleibt auch, aber es ist auch Licht da. Seit Gott in Jesus Christus gestorben ist, ist auch der Tod kein von Gott verlassener Ort mehr. Vielleicht spüren wir Gott nicht immer und überall, doch seit Karfreitag dürfen wir darauf vertrauen, dass er gerade und besonders im Leid gegenwärtig ist. Und das er uns in unserem Sterben erwartet.
Mit dem Tod schließt sich der Kreis des Lebens – so kennen wir das. Doch so stimmt das ja nicht.
Es bleibt ein Spalt offen in diesem Kreis. Und durch diesen Spalt dringt das Licht des Ostermorgens in das Dunkel des Karfreitags, durch diesen Spalt dringt das Leben in den Tod.

Gedanken zum Requiem aeternam dona eis, Domine von Pfarrer Dr. Streck

Sie sangen kein Requiem. Nachdem Jesus am Kreuz verendet war, wurde er hastig in eine Grabhöhle gebracht. Trauer braucht Zeit. Die gab es nicht. Zu Sonnenuntergang musste das Grab verschlossen sein. Der Ruhetag, der Sabbat begann. Jesu Freunde, auch die Frauen hielten Ruhe. Zerriss es ihnen nicht das Herz? Weinen, klagen, schreien will das Herz, sie mussten Ruhe halten. In aller Stille bereiteten sie vor, um Jesus für das Grab zu salben. Das half ein wenig. Am nächsten Morgen wollten sie hin. Bis dahin waren sie auf sich geworfen. Für Tote bitten wir: „Gib ihnen ewige Ruhe, Herr, und immerwährendes Licht soll ihnen leuchten.“ Karsamstag, für Juden ein Ruhetag, ein Sabbat, ist uns Christen der Tag der Grabesruhe Jesu. Das Licht der Welt, sank in die Finsternis des Todes. Er wehrte sich nicht. So gab er uns seinen Frieden.Hinabgestiegen in das Reich des Todes brachte er den Toten seinen Frieden, ewigen, göttlichen Frieden. Denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, schenkte Jesus, das Licht der Welt, allem Blick verborgen in seiner Grabesruhe Licht ohne Ende.                              Bibelstellen: Lukasevangelium 24, 50–56;  Johannesevangelium 8, 12 ;  Johannesevangelium 14, 27–31

Gedanken zum Lied "Christ ist erstanden" von Pfarrer Uwe Rau

Christ ist erstanden von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Immer in der Osternacht singen wir dieses Lied. Christ ist erstanden! Seit  2000 Jahren erinnern Christen sich an dieses Ereignis. Es ist das tiefste Zentrum ihres Glaubens.Um dem nahe zu kommen, was Auferstehung meint, braucht es ein offenes Herz. – Von Anfang an haben Christen nach Ausdrucksformen gesucht, die die menschliche Seele ansprechen. So entstand vor etwa 1000 Jahren dieses Lied.  Es ist vermutlich der älteste liturgische Gesang in deutscher Sprache. Die Melodie ist in einer alten Kirchentonart - in dorisch - komponiert. Deshalb  klingt sie so archaisch, und in ihrer herben Schönheit erinnert sie an die Klangwelt der gregorianischen Choräle. Ein besonderer Reiz des Liedes liegt in dem Terzsprung bei „erstanden“. So kommt die Überwindung des Todes schon in der Melodie zum Ausdruck.Die Kleriker haben früher das Osterlob auf Latein gesungen, der Sprache der Liturgie. Sie war den Gebildeten vorbehalten. Das Volk hat in der allen verständlichen Sprache geantwortet:

Christ ist erstanden von der Marter aller /
Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein / Kyrieleis.

In schlichten, einfachen Gedanken wird die Bedeutung der Auferstehung Jesu  zusammengefasst. Was an Ostern geschieht, überwindet alle Marter - also alle Not und alles Leiden, so der Lieddichter. Es geht ihm nicht nur um die Erinnerung an ein einmaliges Ereignis damals vor 2000 Jahren, sondern um die Erlösung, die jedem Menschen gilt.  In der zweiten Strophe, die Martin Luther dazu gedichtet hat, wird dieser Gedanke weiter entfaltet:

Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist, freut sich alles, was da ist.
Kyrieleis.

Das Schicksal Jesu berührt das Schicksal aller Menschen, ja der ganzen Welt. Durch seine Auferstehung wurde die Macht des Todes überwunden. „Verschlungen ist der Tod vom Sieg. Tod wo ist dein Sieg? Tod wo ist dein Stachel?“, so schreibt Paulus an seine Gemeinde in Korinth. Dabei geht es ihm nicht nur um die Hoffnung, dass es ein Weiterleben nach dem Tode gibt.
Paulus fühlt sich mit dem auferstandenen Jesus so verbunden, dass dies zur Grundmelodie seines Lebens wird. Alles was er erlebt, ist durchdrungen von dieser Freude. Sogar Ablehnung, Misserfolge und seine Krankheit kann er in diesem Licht sehen.
Eine Erfahrung, die Paulus und die ersten Christen nicht für sich behalten konnten. Sie gingen daher bis an die Enden der damals bekannten Welt, um davon zu erzählen. Seitdem können wir mit der Hoffnung leben, dass unser Leben nicht in der Sinnlosigkeit und im Nichts endet.  Ostern kann uns zum Leben befreien.
Halleluja

 

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