Frei von Sklaverei und Tod

Pessach beziehungsweise Ostern

von Pfarrer Dr. Martin Streck vom 28. März 2021

Einführung

Ich begrüße Sie zu diesem Gottesdienst. Gestern haben die Juden das Pessachfest begonnen.Bis zum Ostersonntag geht es in diesem Jahr. An Palmsonntag denken wir daran, wie Jesus in Jerusalem einzog. Die Karwoche beginnt, in der wir uns erinnern an Jesu Leiden und Tod. Jesus feierte Pessach, jedes Jahr. Diesmal in Jerusalem war es anders. In schwerer Ahnung ging er noch am Abend nach dem Mahl in einen Garten. Er musste beten. Es ging nicht gut. Er wurde verhaftet. Jesu letztes Essen mit den Jüngern war das Passamahl. Dem wollen wir nachgehen. Um Gott zu loben, um ihn anzurufen und zu bitten in der Not dieser Zeit, um seinen Segen zu suchen.

Gebet

          allmächtiger Gott

          barmherziger Vater

          wir kommen zu dir

          wir suchen Trost

          groß ist die Not

          hilf uns

          steh den Kranken und Sterbenden bei

          sei nahe allen

          die

          wo auch immer

          zu dir rufen

          seufzen

          verzagen

          gib ihnen Zuversicht

          wenn nötig für den letzten Weg

          hilf denen, die helfen

          uns hilf beten

          und füreinander da zu sein

          dich und uns

          an deine liebe zu erinnern

          durch Jesus Christus

          das gotteslamm

          er gehorchte

          dir und dem Heiligen Geist

          gab er sich ins leben

          bis in den tod

          darauf trauen wir

          in Ewigkeit

          Amen.

          Lesung aus dem Brief an die Hebräer, im elften und zwölften Kapitel (11, 1–2 23–29; 12, 1–3).

1         Der Glaube aber ist die Grundlegung dessen,

          was man erhofft,

          der Beweis für Dinge,

          die man nicht sieht.

2         In diesem Glauben ist den Alten ihr Zeugnis ausgestellt worden.

27       Durch Glauben verließ Mose Ägypten,

          ohne den Zorn des Pharao zu fürchten,

          denn er hielt sich an den Unsichtbaren,

          als sähe er ihn.

28       Durch Glauben hat er das Passa

          und die Besprengung mit dem Blut angeordnet,

          damit der Würgeengel ihre Erstgeburt nicht anrühre.

29       Durch Glauben zogen sie durch das Rote Meer

          wie über trockenes Land;

          die Ägypter dagegen ertranken,

          als sie es versuchten.

1         Darum wollen denn auch wir,

          die wir von einer solchen Wolke von Zeugen umgeben sind,

          alle Last ablegen

          und die Sünde,

          die uns so leicht umgarnt.

          Wir wollen mit Ausdauer laufen

          in dem Wettlauf,

          der noch vor uns liegt,

2         und hinschauen auf den,

          der unserem Glauben vorangeht

          und ihn vollendet,

          auf Jesus,

          der im Blick auf die vor ihm liegende Freude

          das Kreuz erduldet,

          die Schande gering geachtet

          und sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.

3         Denkt doch an den,

          der von Seiten der Sünder

          solchen Widerspruch erduldet hat,

          damit ihr nicht müde und mutlos werdet.

          Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte

          und ein Licht auf meinem Wege.

          Amen.

Liebe Gemeinde,

wir werden frei! Wenn ich spreche, darf ich nach unserem Hygienekonzept, die Maske abnehmen. Eine kleine, eine winzige Freiheit. Größer die Freiheit, in der die Kirchen­gemeinde dieses Konzept erstellt hat, in der wir Wege su­chen, uns und andere zu schützen. Und noch größer die Freiheit, von der wir heute hören. Glauben ist sie im Hebräerbrief genannt. Da hören wir vom Glauben des Mose rund um Pessach und den Auszug aus Ägypten.

Ich könnte Euch viel von Pessach erzählen. Es ist ein weites Feld, nicht alles davon ist gewiss. Das macht es schwer. Denn das Pessach, wie die Juden es heute feiern, wurde erst weit nach Jesus so gestaltet. Er hat mit den Jüngern das Passalamm gegessen. Als Kind schon ist er hineingewachsen in dieses Fest. Aber wie genau er es feierte, wissen wir nicht. Was sicher ist: es ging auch damals um die Geschichte von Mose, wie Gott durch ihn die Juden herausführte aus der Sklaverei in Ägypten.

Darum ist Pessach bei den Juden ein fröhliches Fest. Zuhause kommen sie zusammen, um zu essen und zu trinken. Man spendet und schenkt und vor allem lädt man andere mit an den Tisch. Sie lachen und singen.

Und doch ist es fast ein Gottes­dienst. Denn vor und nach den einzelnen Speisen lesen, singen und beten sie. Schon die Vorbereitung ist litur­gisch. Es wird geputzt, wie ein Früh­jahrsputz. Kein bisschen Sauerteig darf im Haus sein. Alles Brot und Mehl muss raus.

Die Speisen bei Tisch sind leicht. Denn Gott ruft heraus in die Freiheit. Gott ruft zum Glauben.

Im Hebräerbrief ist von Mose und dem Glauben die Rede. Mose glaubte dem Unsichtbaren. Das ist Juden und uns Christen gemeinsam: Gott ist nicht sichtbar. Er lässt sich nicht fassen. Auch nicht in Buchstaben. Gott steht nicht. Gott ruft. Gott kommt. Gott begegnet.

Mose hat Gottes Ruf gehört und das Passamahl geordnet. Die Haustüren sollten die Juden mit dem Blut des Lammes bestreichen. Darum ging der Würgeengel an den Häusern der Juden vorüber, als er der Erstgeburt der Ägypter den Tod brach­te.

Schließlich sind Mose und das Volk aufgebrochen. Sie folgten dem Unsichtbaren, als würden sie ihn sehen. Verborgen in einer Wolken- und nachts in einer Feuersäule führte und schützte er sie. Tag und Nacht konnten sie gehen. Sie verließen sich darauf: Gott geht uns voran.

Sieben Tage lang wird Pessach gefeiert. Der Durchzug durch das Meer war mehr als ein Moment. Und dann zog das Volk ja noch lange durch die Wüste. Der Weg zur Freiheit ist lang. Doch sie ist es wert. Darum das lange Essen. 15 verschiedene Speisen. Und jede Spei­se gibt zu denken, zu erinnern. Bittere Kräuter, denn das Leben in der Sklaverei war bitter. Das Salz lässt an die Tränen denken. Und bei allem sitzt man aufrecht und lehnt sich nicht an. Denn gleich geht es auf den Weg in die Freiheit .

Liebe Gemeinde, der Weg der Juden durch die Geschichte war hart. Wir Christen haben sie, unsere älteren Geschwistern im Glauben, unterdrückt und ver­folgt. Den­noch haben die Juden wie­der und wieder Pessach gefeiert.

Nach der Ordnung musste der Jüng­ste am Tisch fragen: Was unter­scheidet diese Nacht von allen anderen Näch­ten? Auch wenn es finster war um sie herum, an Pessach erinnerten sich die Juden immer wieder, dass Gott sie für die Freiheit erwählt hat. Das gab ihnen Kraft, den Unterdrückern und ihrem Ungeist zu widerstehen.

Im Hebräerbrief werden wir ermuntert, dass wir alle Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht um­garnt.

Es geht so schnell, dass wir nur noch schwarz sehen, nicht mehr das Gute, das uns geschenkt ist, den Guten, von dem es kommt. Nach so kurzer Zeit schon gibt es Impfstoffe, die uns helfen. Endlich haben wir genügend Masken, unseren Atem zu schützen. Wir können uns testen lassen. Doch wie leicht sind wir umgarnt von der Sünde. Bloß weil wir Deutschen nicht die besten sind. Missgunst, Neid und Besserwisserei nehmen uns in Besitz. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Doch Gott hat nicht einzelne durchs Meer geführt. Er hat ein ganzes Volk in die Freiheit geführt, das Volk, in dem er alle Völker erwählt hat.

Vielleicht lernen wird das vom Pessach der Juden für unser Ostern: Gott ruft alle Menschen. Alle will er zur Freiheit führen. Ich sehne mich danach, wieder Abendmahl zu feiern. Viele andere auch. Dann wer­den wir schme­cken und sehen, wie freundlich der Herr ist. Aber nicht nur für uns allein werden wir es spüren. Unser Herz wird bren­nen und wir werden offen und durchlässig werden für Gottes Licht. Gott will, dass es hell wird in der ganzen Welt, und alle Menschen frei.

So schön es sein wird bei Tisch: lasst uns nicht bequem werden. Darum lasst uns aufstehen, um den Glau­ben zu sprechen. So kommen wir schneller ins Gehen.

Amen.

 Glaubensbekenntnis

          Wir glauben an den einen Gott,

          der Himmel und Erde geschaffen hat

          und uns Menschen zu seinem Bild.

          Er hat Israel erwählt,

          ihm die Gebote gegeben

          und seinen Bund aufgerichtet

          zum Segen für alle Völker.

          Wir glauben an Jesus von Nazareth,

den Nachkommen Davids,

den Sohn der Maria,

den Christus Gottes.

Mit ihm kam Gottes Liebe zu allen Menschen,

heilsam, tröstlich

und herausfordernd.

Er wurde gekreuzigt

unter Pontius Pilatus,

aber Gott hat ihn auferweckt

nach seiner Verheißung,

uns zur Rettung und zum Heil.

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der in Worten und Zeichen

an uns wirkt.

Er führt uns zusammen

aus der Vielfalt des Glaubens,

damit Gottes Volk werde

aus allen Völkern,

befreit von Schuld und Sünde,

berufen zum Leben

in Gerechtigkeit und Frieden.

          Mit der ganzen Schöpfung hoffen wir

          auf das Kommen des Reiches Gottes.

          Amen.