Singen gegen die Angst

Gedanken zum Sonntag 15.Mai 2022 von Pfarrerin Ines Fetzer

Fetzer2021

Singen hilft gegen die Angst. Manche Menschen singen im Keller, andere pfeifen ein Lied, wenn sie durch die Dunkelheit gehen. Singen hilft. Es löst den Kloß im Hals, verschafft Luft und Kraft.

Deshalb wird in der Kirche nicht nur zu freudigen Anlässen gesungen. Auch wenn ich vielleicht keine Worte für meine Traurigkeit habe, kann mir ein Lied helfen. Gemeinsam im Gesang Gott um Frieden zu bitten, lässt mich erleben, dass ich mit meinen Sorgen und Bitten nicht allein bin. 

Manchmal aber bleibt einem der Gesang im Halse stecken. In Luftschutzkellern, so wurde mir berichtet, war und ist es oft sehr still. Aber selbst im U Bahnschacht in Kiew gab es vor kurzem ein Konzert. Lieder gegen die Angst, auch und gerade dann, wenn einem gar nicht nach Singen zumute ist. Vermutlich ist es auch Paulus und Silas so gegangen, die in Philippi verhaftet wurden, weil sie  von Jesus gepredigt hatten. Die Apostelgeschichte berichtet davon wie die beiden in einem finsteren Verließ gelandet waren. Ihre Haltung passt den Herrschenden nicht, hilflos waren sie deren Gewalt ausgeliefert. Eigentlich eine ausweglose Situation. Doch Silas und Paulus verzweifeln nicht. Sie beten und singen: "Gepriesen seist du unser Gott. Du hast uns das Leben geschenkt und bewahrt. Selbst in der größten Not und in der dunkelsten Nacht bist du uns nahe. Du bist unser Gott, unser Retter, dich loben wir immerdar." Und dann geschah etwas Unfassbares. Ein Erdbeben sprengte die Ketten und die Kerkergitter, doch die Gefangenen flohen nicht. Das wiederum beeindruckte den Kerkermeister so sehr, dass er sich noch in der gleichen Nacht dem Glauben an Jesus Christus annahm. Gottvertrauen kann Ketten sprengen und Herzen erweichen. Singen hilft gegen die Angst.