Der Versöhnung ein Gesicht geben

Gedanken zum Sonntag 1. Mai von Pfarrer Eckhard Sckell

Sckell

Es gibt ja Menschen, auf die wir mit Bewunderung schauen. Vorbilder. Lichtgestalten. Menschen, die glaubwürdig sind, die eine bestimmte Idee verkörpern. Desmond Tutu war eine solche Person.

Vergangenes Jahr ist er verstorben. Und die ganze Welt hat getrauert. Sein Lebenswerk besteht darin, dass er wesentlich dazu beigetragen hat, die Apartheid in Südafrika zu überwinden und dafür zu sorgen, dass die Menschen, - nachdem sie sich über Jahrzehnte so viele Leid und Gewalt zugefügt haben, nachdem die Schwarzen so viel Ungerechtigkeit erlitten haben, diskriminiert wurden, unterdrückt wurden, - dass die Bevölkerungsgruppen sich miteinander versöhnen ließen und dieses Land Frieden gefunden hat. Eigentlich ein Wunder.

Desmond Tutu ist eine Lichtgestalt der Kirche, die weltweit der christlichen Idee der Vergebung und der Versöhnung ein Gesicht gab. Woraus er seine Kraft schöpfte? Aus seinem Glauben. Die Bibel und der Glaube an Jesus Christus haben ihn inspiriert.

Ganz bestimmt auch die Geschichte von der Ehebrecherin aus dem achten Kapitel des Johannesevangeliums. Dort sagt Jesus zu den umherstehenden Menschen: „Wer von euch ohne Schuld ist, soll den ersten Stein auf sie werfen!“ Und zur Ehebrecherin sagt er: "Geh hin und sündige hinfort nicht mehr." 

Hier zeigt sich, auf was es Jesus letztlich ankommt: Nicht auf Strafe, nicht darauf, dass jemand für etwas büßen muss, sondern auf die Besserung, auf die Veränderung eines Menschen zum Guten. Das ist Barmherzigkeit. So wirkt Gottes vergebende Gnade - damals wie heute.