Abenteuer Zukunft

Gedanken zum neuen Jahr von Pfarrerin Ines Fetzer

Fetzer2021

Was wird das neue Jahr bringen? Diese Frage löst gemischte Gefühle in mir aus. Ich fühle mich unsicher. Vor einem Jahr dachte ich noch, es kann eigentlich nur besser werden, jetzt bin ich etwas weniger zuversichtlich. Es fällt mir schwer, einzuschätzen, was auf uns zukommt.

Aber im Grunde ist das ja eigentlich immer so. Es ist nunmal das Wesen der Zukunft, dass sie unsicher und trotz aller Prognosen ungewiss ist. Was aber kann mir die Gelassenheit und Mut für das Abenteuer Zukunft geben? Eine Antwort auf diese Frage gibt die Jahreslosung für das neue Jahr, das Motto für 2022: "Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen."

Jesus Christus ist da: für mich, für dich, für jeden, der es möchte. Der menschgewordene Gott versteckt sich nicht. Hat keine Sperrstunde, keine Zugangsbedingungen, keine Angst vor Nähe. Er weist keinen zurück, egal woher er kommt. Auch wenn wir noch so oft vor verschlossenen Türen stehen, vor verhärteten Fronten oder abgesagten Begegnungen. Wir müssen das nicht allein durchstehen. Gott ist da – für alle. Damals und heute und morgen. Auch im Jahr 2022.

"Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen," sagt Jesus. Das heißt aber auch, er drängt sich nicht ungefragt auf. Gott, der als Kind zur Welt kam, ist kein Gott der lauten Machtdemonstration. Sanft und bedacht kommt er daher. Immer wieder berichten die Evangelien, wie persönlich sich Jesus dem Einzelnen zuwendet, nach seinen Bedürfnissen fragt und ihm neues Leben ermöglicht. So ist unser Gott, so menschlich, so nahbar, so freundlich. Er ist wie ein Freund, zu dem ich immer kommen kann. Wie eine Mutter, die stets da ist, um zu trösten und zu versorgen. Wie ein Haus, in dem ich immer Geborgenheit finde. Und darum bin ich froh, dass ich mein Leben in seine Hände legen kann.

Gott hält die Zeit und die Zukunft in seinen Händen. Er ist auch der Herr meiner Zeit, und ich kann darauf hoffen, dass er meiner Zeit Sinn gibt und mir Geborgenheit und Freiheit schenkt. Weil Gott will, lebe ich. Heute, jetzt und hier, und das bedeu­tet, dass meine Zeit kostbar ist, zu kostbar, um sie zu verschleudern, aber auch zu wertvoll, um sie mit ängstlicher Sorge um die ungewisse Zu­kunft zu verbringen. Wo ich etwas ändern kann, bin ich gefragt und wo ich mein Leben genießen kann, sollte ich es tun. Beides gehört zum Leben. Das Wissen um die Unsi­cherheit unserer Lebenszeit sollte uns nicht dazu verführen, ängstlicher zu leben, sondern be­wusster.