Alles perfekt?

Gedanken zum Sonntag 9. Januar 2022 von Pfarrer Eckhard Sckell

Sckell

Alles muss perfekt sein. Ohne Fehler. Ohne Makel. Alles andere wird nicht akzeptiert, wird zur Seite gelegt und aussortiert. Nach diesem Prinzip funktioniert in vielen Bereichen unser Leben.

In der Bibel schreibt der Prophet Jesaja, dass bei Gott ein anderes Prinzip gilt: „Das geknickte Rohr wird Gott nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird Gott nicht auslöschen.“ (Jes 42,3)

Das geknickte Rohr steht für die Erfahrung der Beschädigung, der Verletzung, für Brüche in unserem Leben. Der „Knacks“. So hat Roger Willemsen dies einmal genannt.

Manchmal gibt es Schäden, die nicht wieder gut gemacht werden können. Und doch… nicht immer ist das geknickte Rohr deshalb ganz kaputt. Es kann dennoch wachsen, darüber hinauswachsen. Auch wenn Gott nicht alle Schäden restlos beseitigt, er kann mir doch Zuversicht schenken, bei ihm kann ich Regeneration erfahren, Wiederbelebung erfahren – und Kraft schöpfen, neu und immer wieder. Da ist einer, der mich nicht abschreibt und aussortiert. Da ist einer, der mich sieht, der mich erkennt, der es gut mit mir meint.

„Seid barmherzig, wie auch euer himmlischer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36), hat Jesus gesagt. Habt ein Herz, seid weise und seid milde in eurem Urteil. Wenn jemand schwach ist, Fehler hat, Fehler gemacht hat, urteilt ihn nicht ab, stempelt ihn nicht ab mit seiner Schwäche. Besonders und auch dann, wenn ihr selbst es seid.