Den Weg finden

Gedanken zum Sonntag 22.11.2020 (Totensonntag) von Pfarrerin Ines Fetzer

Fetzer

Wenn uns der Tod nahekommt, verändert sich die Welt. Obwohl scheinbar alles so weiter geht wie immer. Die Sonne scheint, die Menschen gehen ihrem Alltag nach. Trauer kann einsam machen.

Manchmal ist es so, als hätte einer einen unsichtbaren Bannkreis gezogen, der die Trauernden von den anderen trennt. Denn Vielen fällt es schwer sich dem Thema Tod zu stellen. Möglichst schnell soll alles überstanden und wieder vergessen sein. Aber Trauer ist ein Weg: ein Weg zwischen Tod und Leben, zwischen Erinnerung und Vergessen, zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Manche gehen diesen Weg immer wieder ganz konkret. Sie gehen zum Friedhof, zum Grab des Verstorbenen und kehren dann wieder nach Hause zurück, wandern hin und her zwischen dem Ort des Todes und dem Ort des Lebens. Andere tun dies in Gedanken, sind mal verhaftet, bei dem was war und machen dann wieder Pläne, gehen der Zukunft entgegen. So muss sein. Immer wieder. Bis der kurvige Weg der Trauer langsam wieder zu einer Straße des Lebens wird. Menschen können dabei eine Stütze sein auf diesem Weg, Gott kann es auch. „Befiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen." heißt es in Psalm 37,5. Da ist noch einer, dem ich mich anvertrauen kann, der mehr vermag als ich. Das hilft mir, besonders dann, wenn ich selbst nicht weiterweiß, wenn ich mich überfordert fühle und alleingelassen. Nicht nur Trauer, auch andere Gedanken und Probleme können unendlich in uns kreisen und alles, was wir versuchen, macht die Unruhe nur noch größer. Manchmal komme ich an einen Punkt, wo einfach gar nichts mehr geht und ich mich zurückfallen lasse in einen Sessel, tief durchatme und mir sage: Ich kann diese Frage, dieses Problem jetzt nicht lösen, ich weiß den richtigen Weg nicht. - ... Aber wenn ich den Weg nicht weiß, Gott wird den Weg schon wissen und irgendwie wird er mich diesen Weg führen. Eine Last fällt ab. Ich werde ruhig, kann mich wieder anderen Dingen widmen und das Problem, das vorher alles zu beherrschen schien, ist vielleicht immer noch da, aber es bestimmt mein Leben nicht mehr komplett. Ich kann wieder durchatmen, wieder hoffen. Vielleicht hilft diese Haltung auch gegenüber den beunruhigenden Fragen angesichts des Todes: Warum musste das alles so geschehen? Warum müssen Menschen so früh oder so schwer sterben? Warum gibt es überhaupt den Tod? Die Fragen können uns bedrängen und quälen, bohren sich in unsere Seele hinein. Letztlich können wir diese Fragen nicht beantworten, aber wir können sie Gott überlassen. "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen."

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