Ein Stück vom Himmel

Gedanken zum Sonntag nach Himmelfahrt von Vikarin Theresa Fischer

TheresaFischer 

Wer kennt das nicht? Einfach dastehen, tief ein- und ausatmen während der Blick gen Himmel gerichtet ist?
Egal zu welchem Zeitpunkt man in den Himmel schaut – er sieht immer anders aus und hält oft Überraschungen bereit. Kinder können stundenlang im Rasen liegen und in den Wolken irgendwelche Figuren entdecken. Was sich da oben wohl so alles tummelt? - Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Begeisterung nimmt im Erwachsenenalter etwas ab, aber die Faszination nicht. Wer in den Himmel schaut, nimmt sich Zeit für sich, schaltet ab und fragt sich, was da oben wohl so alles verborgen ist.

Der Himmel ist von überall sichtbar. „Der Himmel geht über allen auf und auf alle über“ – so steht es in einem Kirchenlied geschrieben. Die Faszination liegt für mich in der Unverfügbarkeit. Bei jedem Blick nach oben frage ich mich, was da oben so alles los ist und wie es wohl wäre dort zu sein und das Verborgene mit eigenen Augen zu entdecken.

Ob die Jünger damals auch so fasziniert gen Himmel geblickt haben, als Jesus emporgehoben wurde? – Wohl eher nicht: Jesus war auf einmal weg. Die Jünger konnten ihn nicht mehr sehen, weil er von einer Wolke aufgenommen wurde und gen Himmel fuhr. Eine amüsante Vorstellung, wie Jesus als Wolke in den Himmel fährt. Da ploppt gleich das Bild eines Wolkenfahrstuhls auf.

Das Weltbild zur Zeit Jesu versteht den Himmel als Bereich, in dem Gott wohnt. Jesus ist also zu Gott - seinem Vater - in eine andere Sphäre aufgestiegen. Jesus ist für die Jünger nicht mehr sichtbar, sondern verborgen vor ihren Augen. Möglicherweise hat die Verborgenheit Jesu die Jünger genauso fasziniert wie uns heute der Himmel mit seinen Geheimnissen. Jesus im Verborgenen entdecken. Das ist die Aufgabe, mit der er seine Jünger an Himmelfahrt zurückgelassen hat. Aber was kann das für uns bedeuten? Zu erkennen, dass wir begleitet von Jesus durchs Leben gehen und all unsere Sorgen und Ängste auf ihn werfen können – auch wenn wir ihn nicht sehen. Den verborgenen Gott kann man überall und jederzeit finden – gerade jetzt, in einer Phase, in der uns zusätzliche Zeit geschenkt wird, weil Verpflichtungen und andere Termine nicht stattfinden dürfen.

„Der Himmel geht über allen auf und auf alle über“ – und erinnert uns daran, das verborgene Stück Himmel im Alltäglichen zu entdecken. Mein persönliches Stück vom Himmel ist es, die schönen Momente des Lebens als Geschenk zu betrachten. So wie der Himmel manchmal hinter Wolken verborgen ist, erkenne ich diese Momente hin und wieder auch erst auf den zweiten Blick. Bleiben Sie geduldig und neugierig – der zweite und dritte Blick lohnt sich oft ganz besonders!

Diese Website benutzt Cookies um die Seite für Besucher zu verbessern. Diese richten auf Ihrem Gerät keinen Schaden an. Durch weiteres Nutzen dieser Website, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Nähere Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.