Gottesdienst, der gut tut

Gedanken zu Himmelfahrt von Pfarrer Dr. Martin Streck

Himmelfahrtsbild 

Ein Highlight im Jahr: Himmelfahrt. Vielen bekannt als Vatertag. Da muss man raus. Luft und Sonne auf der Haut spüren. Ob mit einem Kasten oder Fässchen kühlen Bieres oder zum Gottesdienst am Mainufer, unter freiem Himmel. Gottesdienst, der gut tut.

„Wieviele Seelen müssen Sie versorgen?“ So wurden Pfarrer früher gefragt. Inzwischen sind ja die Leiber hinzugekommen. Doppelt soviel Arbeit? Ein guter Arzt, eine gute Pfarrerin sehen auf das andere. Der Seelsorger auf den Leib, die Ärztin auf die Seele ihres Patienten. Es geht um den Menschen. Ein Mensch lässt sich nicht auseinandernehmen wie ein Auto. Für mich als Pfarrer gilt also: Schau auf den ganzen Menschen, Seele und Leib. Was nimmst du im Klang einer Stimme wahr? Wie hält sich dein Gegenüber? Was spricht sein Gesicht?

Als Jesus in den Himmel auffuhr, sahen ihm die Jünger nach. Da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern. Die sprachen zu den Jüngern: „Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?“ Sie sahen Jesus nach. Eben war ihr Freund und Meister verschwunden. Doch sie sollen ihren Blick davon wenden, hinunter zur Erde und zu denen, die auf ihr leben!

Auf ein kleines, aber wichtiges Detail oben auf dem Bild von Himmelfahrt, will ich Eure Augen lenken. Auf dem Berg, von dem Jesus gestartet ist, seht Ihr seine Fußabdrücke. Ganz deutlich! Jesus schwebte nicht über die Erde. Er ging auf ihr. Seine Füße wurden schmutzig. Er wird sich gestoßen haben. Leichte Hindernisse hat er weggekickt. Jesus ist Mensch, ganz und gar, mit Leib und Seele.

Auf einem anderen Bild von Jesus bei seiner Himmelfahrt reicht er seine Hand und gibt sie in eine andere Hand, die von oben aus dem Himmel kommt. Jesu und Gott geben sich die Hand.  Als gelernter Zimmermann hat er sie wohl ordentlich gedrückt. Jesus ist Mensch, mit Leib und Seele.

Als Christen sorgen wir uns um Menschen, nicht bloß um Seelen. Wir nehmen den ganzen Menschen in den Blick, Seele und Leib. Darum schränken wir uns ein. Wir halten Abstand. Gottesdienst feiern wir nur in kleinen Gruppen und ohne zu singen. Leben soll bewahrt bleiben. Wir sehen auf die Menschen um uns und in der weiten Welt. Auf den Menschen, wie er leibt und lebt. Wie er in Jesus seit seiner Himmelfahrt bei Gott im Himmel ist – ganz, mit Seele und Leib. Es kann uns nicht egal sein!

Bibelzitat: Apostelgeschichte, 1 10–11

Bild: Evangeliar aus Mainz um 1250, Stiftsmuseum Aschaffenburg

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