Mutmachmail

Gedanken in der Fastenzeit

 Osterglocken

Mutmachmail nennt sich ein wöchentliches Angebot unserer Kirchengemeinde für die Fastenzeit. Jeden Mittwoch sollte es eine Mail von Pfarrerin Ines Fetzer für diejenigen geben, die sich an der Aktion 7 Wochen ohne... beteiligen. Der Begriff Mutmachmail bekommt in diesen Tagen einen anderen Klang. Darum wird der Text der Mutmachmails hier veröffentlicht:

Mail vom 8.4.2020:

Liebe Fastengruppe,

dies ist nun die letzte Mutmachmail in der Fastenzeit. Die letzte Mutmachmail: denn am Sonntag endet die Fastenzeit. Dann ist Ostern, die Zeit der Freude, die das Fasten bricht. Die letzte Mutmachmail: das wirkt fast ein wenig seltsam, werden wir doch auch nach Ostern noch viel Mutmachendes brauchen. Es scheint so, als würde sich die Zeitrechnung ändern. Nicht vor Ostern und nach Ostern, sondern vor der Coronakrise und in der Coronakrise. Wir warten. Und warten weiter auf das, was uns aus dieser Krise herausführt.
Dabei ist der, auf den wir warten, ja schon da. Gott ist bei uns - unscheinbar manchmal, wie der Spaziergänger, der mit den Jüngern nach Emmaus ging und den sie erst am Brotbrechen erkannten. Mehrere Stunden lang erkannten sie Jesus nicht, dem sie doch lange Zeit so nahe gewesen waren. Sie hatten von seiner Auferstehung gehört, doch dass er lebendig neben ihnen herlief, hatten sie nicht bemerkt. „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.“ So lautet der Ostergruß, den wir uns jedes Jahr in der Kirche zurufen und zusingen, um es nicht zu vergessen. Jesus lebt. Er ist da. Bei uns. Bei der Welt. Gestern und heute, vor und nach Corona. Immer.

So wünsche ich mir und uns allen ein lebendiges Osterfest, das Mut und Hoffnung macht. Vielleicht fühlt sich Ostern dann etwa so an, wie Johann Wolfgang von Goethe es beschreibt:„Eines Tages klopfte die Angst an die Tür. Der Mut stand auf und öffnete, aber da war niemand draußen.“

Bleiben Sie behütet. Gesegnete Feiertage
Ines Fetzer

Mail vom 1.4.2020:

Liebe Mitfastende,

eigentlich begeben wir uns mit der Aktion „7 Wochen ohne“ so langsam auf die Zielgerade. In anderthalb Wochen ist Ostern. Aus den langen 40 Tagen ist eine überschaubare Zeit geworden. „Die Fastenzeit ist eine gut kalkulierte Zeit,“ schreibt Frank Muchlinski in seinem Fastenbrief. „Man kennt das Ende. Ostern ist das Leben in aller Pracht zurück. Auf dieses Ziel hin kann man gut fasten. Aber unser Verzicht auf Nähe und Begegnung wird länger dauern, und was danach kommt, ist ebenso ungewiss. Ein Ende ist nicht in Sicht.“
Mich hat dieser Gedanke sehr angesprochen. Die Ungewissheit ist schwer auszuhalten. Und das erklärt auch, warum wir so intensiv nach dem Termin fragen, an dem  der Lockdown zu Ende geht. Aber zur Zeit wissen wir das eben nicht. Frank Muchlinski schreibt weiter: „Darum hilft es wenig, zu sagen: „Bald ist es geschafft“, denn wenn wir so denken, verlieren wir einen Tag nach dem anderen, der uns eigentlich geschenkt ist.“ Auch damit hat er recht. Und es ist eine gute und überschaubare Aufgabe in den nächsten Tagen erstmal bis Ostern genau darauf zu achten. Auf den Tag, der mir gerade heute geschenkt wird. Heute wird dieser Tag von der Sonne wahrhaft ins rechte Licht gerückt. Und heute freue ich mich daran. Ich gebe zu, gestern ist mir das alles nicht geglückt und wie es morgen sein wird, weiß ich nicht. Egal. Jeder Tag kommt neu aus Gottes Hand. Und heute ist heute.

Wir gehen auf Ostern zu. Ab kommenden Montag können Sie auf unserem Kirchhof einen kleinen Rundgang machen und dort an verschiedenen Stationen die Passions- und Ostergeschichte in den Blick nehmen. Schon jetzt leuchtet jeden Abend von 18.00 bis 20.00 Uhr eine Laterne auf dem Kirchhof. Sie möge uns Mut machen.
Bleiben Sie behütet. Ihre Ines Fetzer

Laterne

Mail vom 25.3.2020:

Liebe Mitfastende,

zählt noch jemand den Wochen der Fastenzeit? Oder unterteilen wir inzwischen die Zeit nach „vor Corona“ und „seit Corona“. Wie finden Sie sich zurecht in der ungewöhnlichen Situation? Hoffentlich sind Sie gesund. So nach und nach stellen wir uns um. Es entsteht so etwas wie ein neuer Alltag, der anders ist als zuvor, aber vielleicht nicht mehr ganz so aufregend wie in den ersten Tagen. Manches spielt sich ein, das tut gut. Ich habe in dieser Zeit viele neue Seiten an mir kennengelernt: Angst und Unruhe stritten mit Zuversicht und Hoffnung. Oft empfinde ich meine Situation als priviligiert gegenüber so vielen anderen Menschen. Ich habe Platz, bin gesund, habe viele Kontakte zu lieben Menschen auch in der Ferne, fühle mich zumeist getragen durch den Glauben. Und doch fällt es mir schwer zu hoffen und zu vertrauen.„Zuversicht – 7 Wochen ohne Pessimismus“ ein Mantra inzwischen für mich. Und ja - es hilft.

Was nehme ich mir vor in dieser Zeit? Ein wenig habe ich meinen Fastenplan geändert:

  • Ich versuche meinem Tag eine gute Struktur zu geben mit regelmäßiger Gymnastik und Zeiten im Freien.
  • Nachrichten zum Thema Corona sollen nicht mehr meinen ganzen Tag sondern nur ausgewählte Zeiten bestimmen.
  • Und jeden Tag telefoniere oder schreibe ich mit einigen Menschen, mit denen ich verbunden bin.

Ich habe viel von mir gesprochen. Vielleicht fühlt es sich für Sie ganz anders an. Aber vielleicht hilft es Ihnen auch zu hören, wie es anderen in dieser Situation geht. Wir sind gemeinsam angetreten zu einer besonderen Zeit und erleben Sie nun jeder für sich und doch gemeinsam.

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Zuversicht gibt mir zur Zeit eine Postkarte, die auf die schönen Seiten des Lebens verweist, die wir auch jetzt noch genießen können. Sie hat den Text: "Der Frühling malt sein Blütenbild mit Himmelblau und Wolkenweiß. Vorhang auf fürs satte Grün." Denn auch wenn Konzertsäle und Theater geschlossen sind, die große Bühne des Himmels ist geöffnet. Bleiben Sie weiterhin behütet
Ihre Ines Fetzer

 

Mail vom 18.3.2020:

Liebe Mitfastende,

es ist ein anderes Gefühl als sonst heute in den Betreff Mutmachmail einzugeben. Eigentlich sollte meine Post heute - vielleicht mit einem Bild mit verschneiten Bergen - aus meinem Urlaub in Österreich kommen. Dass dieser Urlaub erst vor wenigen Tagen abgesagt wurde, kommt mir heute schon sehr weit weg vor. Wie viel sich in einer Woche ändern kann…

Was wird aus unseren Vorhaben? Aus unseren Vorsätzen? Aus unseren Plänen? Ist Fasten überhaupt noch dran? An niemanden geht diese Krise vorbei, weder äußerlich noch innerlich. Der Alltag wird von außen auf den Kopf gestellt. Das wirft neue und alte Fragen auf. Wir machen uns Gedanken. Was hilft uns nun?

Der eine oder andere Fastenvorsatz mag mir gerade nicht mehr so wichtig sein. Dann kann ich ihn getrost weglassen. Vielleicht nehme ich mir für die nächste Zeit einfach anderes vor. Das Motto „Zuversicht – 7 Wochen ohne Pessimismus“ ist für mich immer noch ein gutes Motto, so schwer es auch durchzuhalten ist, denn natürlich mache ich mir Sorgen, wie wir diese Krise bestehen können, deren Folgen niemand wirklich kennt. Manchmal bin ich pessimistisch, manchmal habe ich Angst. Aber die Zuversicht will ich mir nicht nehmen lassen. Schließlich ist mein Leben ohnehin in Gottes Hand. Mir fallen die Worte des Psalmbeters ein: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ (Psalm46,2) In großer Not bin ich nicht, das sind andere Menschen - damals und auch heute. Aber Gott ist auch meine Zuversicht und Stärke, daran möchte ich mich in dieser Woche halten.

Frühling

Statt eines Fotos mit schneebedeckten Bergen schicke ich Ihnen ein Bild aus unserem Garten. Im Frühling hilft der Blick auf die kleinen Dinge. Eine zuversichtliche Woche wünsche ich Ihnen. Bleiben Sie behütet

Ines Fetzer

 

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