Liebe Leserinnen und Leser,

Der 9. November ist ein Schicksaltag für unser Land. Wir gedenken an diesem Tag der schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht von 1938, als aus Hass und systematischer Hetze heraus Synagogen in Brand gesteckt und jüdische Geschäfte geplündert wurden. Kein guter Tag für Deutschland - bis im Jahr 1989 just an diesem Tag die Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet wurden.Von nun an war der 9. November wieder ein Tag der Hoffnung, hatten es doch Menschen geschafft, durch friedliche Demonstrationen die Mauer, die unser Land teilte, buchstäblich zu Fall zu bringen. Wer hätte das für möglich gehalten?
Friedlicher Protest statt Gewalt, gemeinsame Freude statt Hass und Argwohn - dafür standen die Tage im November 1989. Natürlich erfüllten sich längst nicht alle Hoffnungen, natürlich lag man sich nicht dauerhaft in den Armen. Andere, oft unsichtbare Grenzen entstanden zwischen Menschen. Wie schwer es ist, dauerhaft Vorurteile zu überwinden, müssen wir leider auch heutzutage wieder erleben. Wer hätte das - 80 Jahre nach der Reichspogromnacht - noch für möglich gehalten?
Wir haben nie einen Stand erreicht, hinter den es kein Zurück mehr gibt. Die Decke der Zivilisation ist dünn. Die Reichspogromnacht erinnert uns daran. Verständigung, Frieden, Mitmenschlichkeit - all das ist kostbar und zerbrechlich, aber möglich ist es auch immer wieder. Der Mauerfall erinnert uns daran.

"Wir waren auf alles vorbereitet, aber nicht auf Kerzen und Gebete," kommentierte ein Mitglied des Politbüros die friedliche Revolution in Ostdeutschland. Ich wünsche mir, dass wir die Kraft des Gebets und der Hoffnungslichter in diesem November wiederentdecken, zum Beispiel in einem der Gottesdienste am 10. November, am Volkstrauertag oder Buß- und Bettag oder wo auch immer wir ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen können. 

Ihre Pfarrerin Ines Fetzer

 

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