Liebe Leserinnen und Leser,

Der Garten meiner Kindheit war der meiner Großeltern. Da standen Obstbäume, ein Sandkasten, eine Schaukel und ein Teich mit Goldfischen. An einer Stelle war der Rasen abschüssig – da konnte ich mit dem Roller herunterrasen. Meine Oma versorgte den Garten. Sie hatte einen grünen Daumen. Riesig erschien mir der Garten, ich war ein kleiner Junge.

Nutz- und Ziergärten gibt es, Obst- und Lustgärten und viele mehr. Am Anfang der Bibel steht der Paradiesgarten. Er ist umzäunt, abgegrenzt von der wüsten Wildnis drumherum. Ein kultivierter, gepflegter Ort. Gott hat ihn für die Menschen angelegt, sein Werk, seine Arbeit. Die Früchte seines Gartens sollen die Menschen nähren. Unter seinen Bäumen sollen sie Schatten und Ruhe finden(1 Mose 2).

Später dann, die Menschen haben längst das Paradies verloren, schreibt der Prophet Jeremia an die Juden im Exil. Sie sollen sich in der Fremde für die Stadt, in der sie leben, einsetzen. „Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte”. Es ist Arbeit und Genuss! (Jeremia 29)

Jesus traf sich in Jerusalem mit seinen Jüngern oft in einem Garten. Dort zog er sich zurück, um zu beten, als die Angst vor dem Tod nach ihm griff. Gethsemane heißt dieser Garten. Ein Engel soll ihn dort gestärkt haben. Jesus trat dann aus dem Garten heraus. Draußen, vor dem Garten wurde er verhaftet. (Johannesevangelium 18)

Draußen vor der Stadt wurde er gekreuzigt. Dort war ein Garten in der Nähe. Dort fand er seine Ruhe. Im Garten war ein neues Grab, in den Felsen geschlagen. Dort begruben ihn seine Freunde in aller Eile. Der Ruhetag, der Sabbat brach an. (19)

Am dritten Tag in der Frühe kamen Frauen, die Jesus nachgefolgt waren. Sie wollten ihn salben. Das Grab war leer. Maria drehte sich um. Da sah sie einen und meinte, er ist der Gärtner. Sie fragte nach Jesus: „Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen.” Der Gärtner kennt den Garten, er wird es wissen. Der Mann sprach sie an: „Maria.” Da erkannte sie: Es ist Jesus. Er lebt. (20)

Jesus als Gärtner, das kannte Maria nicht. Jesus war ein Wanderprophet. Ohne Wohnsitz zogen er, Männer und Frauen, die ihm folgten, umher. Ein Gärtner hingegen hängt an seinem Garten. An diesen Ort ist er gebunden. Vielleicht hat Maria ihn deswegen nicht erkannt.

Doch ich finde, es passt: Jesus als Gärtner. Er pflanzt und pflegt. Er kennt die Pflanzen. Er lässt ihnen Zeit zu wachsen. Er beschützt sie und hält die Zäune instand. Das ist keine Romantik! Gärtner sind abends müde, spüren die Arbeit in ihren Knochen und Gelenken. Jesus packt an. Wie schon Gott, sein Vater, als er den ersten Garten, das Paradies pflanzte.

In einem ist Jesus noch weiter, ja über jeden Gärtner hinausgegangen: Er hat sich selbst ganz und gar hingegeben. Im Garten, in einem neuen Grab, wurde er bestattet. Wie ein Samenkorn in die Erde gelegt.

Jesus als Gärtner. Zu ihm singen wir: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.” (Gesangbuch Nr. 503, 14)

In Gottes Garten bleiben – das ist uns Menschen von Gott bestimmt. Ein gutes Ende! Darum feiern wir im Sommer Gartenandachten und freuen uns an Gärten und Gärtnern und preisen Gott dafür.

Dr. Martin Streck

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