Liebe Leserinnen und Leser,

793 hat ein Ritter namens Wolfbodo unseren Ort, der sich damals Turinchheim nannte, an das Kloster Lorsch verschenkt, dazu die Dorfkirche, die der Jungfrau Maria geweiht war. Im Lorscher Museumsdorf wurde auch ein Kirchlein errichtet, wie man im 8. Jahrhundert Dorfkirchen gebaut hat. Wirklich ein Kirchlein!
Und doch haben über die Jahrhunderte Menschen sich in solchen Kirchlein geborgen. Ob unsere Dörnigheimer Kirche damals Schloss und Riegel brauchte? Ich denke, die Türe war nicht verschlossen. Zu jeder Zeit sollten die Menschen Schutz finden.
Staat und Polizei waren damals beileibe nicht so fit wie heute. Die Kirche aber bot Asyl. Wer verfolgt wurde, aus welchem Grund auch immer, fand in der Kirche Schutz. In einer Kirche Hand an einen Menschen zu legen, galt damals als größtes Verbrechen. In Zeiten der Blutrache hat das Vielen das Leben gerettet!
Die Türe des Kirchleins in Lorsch hat außen Schloss und Riegel. War das wirklich so? Wenn Soldaten durch die Gegend zogen, fremde oder die des eigenen Landesherren, haben die Menschen aus dem Dorf in der Kirche Schutz gesucht. Ich denke, dann haben sie die Türe von innen verschlossen.
Vor vierhundert Jahren begann der Dreißigjährige Krieg. Dreimal wurde Dörnigheim von Soldaten überfallen. Sie plünderten und legten das Dorf in Schutt und Asche. Nur die Kirche blieb stehen. Die Menschen waren von Angst und Hunger geschwächt. Seuchen, die Pest zum Beispiel, forderten viele Menschenleben. Nach dem Krieg war die Bevölkerung in unserem Land auf ein Drittel reduziert.
Heute sind wir dankbar, dass wir schon so viele Jahre im Frieden leben dürfen. Wir beten um Frieden für Menschen, die Krieg, Bürgerkrieg und Diktatur erleiden. Wir bitten für uns um Kraft, Liebe und Verstand, dass wir den Frieden stärken. Frieden ist nicht selbstverständlich!
Die Türe zu unserer Kirche steht offen. Leider nicht immer. Doch zu unseren Gottesdiensten findet jede und jeder Einlass.
Unsere Kirche bietet Schutz. Sie lädt zum Frieden ein, zum Frieden untereinander und zum Frieden mit Gott. Gott ist ein Gott des Friedens.
„Wie lieblich klingen die Schritte des Freudenboten auf den Bergen, der Frieden verkündet, der gute Botschaft bringt, der Rettung verkündet.” (Jesaja 52, 7) Weit über das Land rufen die Glocken den Menschen Frieden zu!

Dr. Martin Streck

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