Geschichte des EGZs

Historie des Evangelischen Gemeindezentrums

Herzlichen Glückwunsch E G Z -
eine heikle, sehr subjektive Liebeserklärung zum 25-jährigen Jubiläum des Gemeindezentrums

von + Pfarrer Ulrich Frick 

Ein großartiges Haus
Ende 1974 sah ich die Gebäude an der Berliner Straße zum erstenmal. Ich fand sie wunderbar. Starke, feste Klinkenmauern bieten Schutz und Geborgenheit. Klare Fensterfronten zeigen Offenheit von innen nach außen, von außen nach innen. Riesige, weiße Dachschrägen lenken den Blick nach oben, wecken den Wunsch, Heil und Segen von oben zu empfangen. Unterschiedliche Räume laden ein zu Fest und Feier, zu Begegnung und Gespräch. In diesem Gemeindezentrum fühle ich mich wohl.

Doch gab es da auch andere Seiten. Bald schon erfuhr ich: Das EGZ ist ein Kunstwerk, aber das ist noch längst kein Gebrauchsgegenstand. Man kam in ein Haus ohne Lichtschalter; die wurden erst Jahre nach der Eröffnung eingebaut. Die kleine Küche ist eine Zumutung. Treppenstufen und die massive Theke im Foyer machen den Zugang zur Küche mühsam. Der Weg zu den Toiletten führt treppauf und treppab in den hintersten Winkel des großen Hauses. Und jahrelang tropfte bei starkem Regen im Flur vor der Küche den Besuchern das Wasser auf den Kopf. Manche Mängel konnten im Lauf der Jahre mit großem Aufwand behoben werden, mit anderen müssen die Besucher bis heute leben.

Doch ich bleibe dabei: In Dörnigheim steht das schönste, beste und lebendigste Gemeindezentrum, das ich kenne.

Bestimmung und Konzeption für das EGZ
Bis in die sechziger Jahre entwickelte sich Dörnigheim vom kleinen Dorf zu einer richtigen Stadt. Darum kam es 1963 zum Beschluss des Kirchenvorstands, in die Waldsiedlung ein neues Gemeindehaus und in die Berliner Straße eine Kirche und ein Pfarrhaus zu bauen. 1968 war das neue Gemeindehaus fertig. Doch da gab es viele Jugendliche, denen ein Treffpunkt fehlte. So wurde aus dem Gemeindehaus ein Jugendzentrum, eröffnet als "Haus der offenen Tür".

Danach wurde die Planung für die Berliner Straße verändert. Aus der geplanten Kirche wurde ein Saal für unterschiedliche Gelegenheiten - vom Gottesdienst bis zur geselligen Veranstaltung. Auf einen Kirchturm wurde verzichtet. Dafür gab es verschiedene Gruppenräume, eine als Cafe gestaltete Vorhalle, nebenan einen Kindergarten und das Pfarrhaus. Es wurde ein Zentrum - gleich gut geeignet für feste Gruppen wie für zwanglose Begegnungen.

In der langen Planungs- und Bauzeit von 1963 bis 1974 entwickelte ein Arbeitskreis eine Konzeption für das EGZ. Heute finde ich sie sehr reizvoll, aber auch etwas unrealistisch. Als obersten Grundsatz nennt sie: Offenheit für alle, Toleranz und Fairness im Geiste Jesu, der die Menschen so angenommen hat, wie sie sind, ohne Vorurteil und ohne Prüfung. Dazu werden mehrere Ziele genannt: Verantwortliche Vermittlung des Evangeliums in Wort und Tat, offene Begegnungsmöglichkeiten für alle Bürger Dörnigheims, soziale Hilfe, die Schwache und Benachteiligte aktiviert, Bildungsarbeit, die Menschen angstfreier machen soll. Wer kann das schaffen, frage ich mich. Eine Zusammenfassung der Konzeption sagt mit einem biblischen Begriff „Die Arbeit im Gemeindezentrum steht unter dem Leitgedanken SCHALOM, d.h.: leibliches und seelisches Wohlbefinden aller, Glück, Frieden, Versöhnung, Gerechtigkeit, Freude und Gemeinschaft - Sinngebung des Lebens." Wer kann das schaffen, frage ich mich.

Leben im Gemeindzentrum
Was ist aus dieser großartigen Zielsetzung geworden? Voll Dankbarkeit sehe ich: Das EGZ ist ein offenes Haus, wenn nicht für alle, so doch für viele Bürger Dörnigheims und weit darüber hinaus. Offenheit und Lebendigkeit müssen allerdings organisiert und gestaltet werden. Dazu ist sorgfältige Planung und sind klare Absprachen und Verträge nötig. Das ist von Fall zu Fall schwierig.

Doch ich sehe weiter, dass sehr viele Menschen sich im EGZ Wohlfühlen. Sie kommen zu großen Veranstaltungen wie im März zum Ostermarkt. Sie treffen sich in festen Gruppen mit ihren eigenen Inhalten. Solche Gruppen führen ihr Eigenleben. Kommunikation und Gemeinschaft über die Gruppengrenzen hinaus - das gelingt nicht so leicht. Der Chor hat seine Singstunde, die Frauenhilfe ihr Bingospiel, der Maxi-Club seine Handarbeiten, die Konfirmanden ihren Unterricht ... Aber die Konfirmanden treffen die Frauenhilfe nicht, die Chormitglieder interessieren sich kaum für den Maxi-Club. So kann die Lebendigkeit des Gemeindezentrums nur so gestaltet werden, dass die Eigeninteressen der Besucher beachtet und respektiert werden.

EGZ - der Kirchengemeinde lieb und teuer
Ein offenes Haus sollte das EGZ sein, kostenlos für alle, die hineinkommen. Schon bald stieß die Kirchengemeinde damit an ihre finanziellen Grenzen. Der Beschluss, für die Raumnutzung Unkostenbeiträge zu verlangen, führte zu Wehklagen und Beschwerden der Betroffenen. Einige Gruppen zogen sich ganz zurück, andere hatten große Mühe, ihren Beitrag zur Erhaltung des Hauses zu leisten. Doch leer blieb das Haus nie. Von den 24 Gruppen, die in der Festschrift von 1974 aufgelistet sind, kommen vier bis heute regelmäßig ins EGZ. Außer diesen sind es jetzt andere Gruppen und Menschen, die das Haus mit Leben füllen.

Einige Höhepunkte
Ich erinnere mich an das erste Treffen der Kiki (Kinderkirche). 100 Kinder waren erwartet, über 400 brachten die Helfer und Helferinnen an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Doch es wurde ein wunderbarer Nachmittag.

In den Anfangsjahren hatten wir monatliche Gottesdienste für die und mit den Konfirmandenfamilien. Die Vorbereitung mit den Jugendlichen, die Inhalte, die fröhliche Gestaltung - da war Gottesdienst eine feine Sache.

1987 war Ev. Kirchentag in Frankfurt mit vielen Übernachtungsgästen auch in Dörnigheim. Wir hatten ins EGZ eingeladen zum ökumenischen Feierabendmahl. Auf 300 Gäste waren wir eingestellt, mehr als 500 kamen. Es war wie bei der Speisung der 5.000, alle wurden satt. (Wo haben die Helferinnen bloss im Laufe der Nacht die Frühstücksbrötchen aufgetrieben, die sie am nächsten Morgen den Kirchentagsgruppen vorgesetzt haben?)

Viele Jahre war ich mit Vertretern der ausländischen Gruppen mitverantwortlich für die Woche der ausländischen Bürger und das Septemberfest. Diese Veranstaltungen bilden nicht nur einen Höhepunkt im Jahreslauf des EGZ. Sie haben dazu beigetragen, dass Hass gegen Ausländer in Dörnigheim keine Chance hat.

Als 1990 Brände zwei Kindergärten in Dörnigheim zerstörten, bot das EGZ einem Teil der Kindergruppen ein Notquartier. Das erforderte viel Einsatzbereitschaft der Mitarbeiterinnen, Improvisationstalent aller im Haus und herzliche Toleranz der Beteiligten. Aber es ist gelungen.

Dank und Respekt
Ich habe die Menschen nicht vergessen, von denen im EGZ alles abhängt. Aber wem soll ich danken, wen unerwähnt lassen? Ich müßte ja viele Seiten füllen mit den Namen derer, die sich um das EGZ verdient gemacht haben. Deswegen habe ic.h entschieden: keine Namen. Fur mich sind die Leute, die verantwortlich sind für Planung, Organisation und Leitung im EGZ genauso wichtig und wertvoll wie diejenigen, die sich um die Sauberkeit der Räume und Fußböden kümmern, die den Hof kehren, Bäume und Pflanzen bewässern, oder die bei Festen in der Küche Berge von Kartoffelsalat zubereiten und Geschirr und Gläser auf Hochglanz bringen.

Ich habe es erlebt: Die Frauen und Männer, die im EGZ ihre Arbeitsstelle haben, machen nicht nur ihren Job, sondern sind mit Herz und Seele dabei. Und viele andere, die ehrenamtlich im EGZ für Junge und Alte tätig sind, beweisen, dass Nächstenliebe kein leeres Wort ist, sondern lebendige Wirklichkeit, und dass das Engagement für andere das Leben innerlich reich macht.

Nein, ich nenne keine Namen, weil ich davon überzeugt bin, dass alle, die im Laufe der Jahre im EGZ tätig waren und sind, Dank und Anerkennung verdienen. Sie alle haben nach ihren Kräften und Fähigkeiten dazu beigetragen, dass das EGZ keine sinnlose Anhäufung von Ziegelsteinen, Beton und Glas wurde, sondern ein Zentrum der Gemeinde zum Wohl für viele Menschen und zur Ehre Gottes.