Standhaftigkeit und Gottvertrauen  

Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg heftete, wollte er keine Revolution entfachen. Er wollte gegen Missstände in seiner Kirche – etwa dem Ablasshandel - protestieren, um deren Beseitigung zu erreichen. Doch die Mächtigen in seiner Kirche sahen dies anders und bezichtigten ihn der Ketzerei und forderten ihn auf, seine Thesen zu widerrufen.

Sie waren der Meinung, dass er dies am ehesten tut, wenn er den mächtigen Würdenträgern der Kirche und der weltlichen Macht, einschließlich des Kaisers, gegenüber treten muss und zitierten ihn zum Reichstag nach Worms. Am 7. April 1521 stand er Kaiser Karl V. in einem Verhör gegenüber. Er nahm dabei seine Thesen nicht zurück, sondern erklärte sinngemäß: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir“.

Martin Luther zeigte damit Standhaftigkeit und Gottvertrauen. Er verteidigte seine Thesen als richtig und vertraute darauf, dass Gott der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen würde. Dies alles tat er in der Gewissheit, dass der Reichsbann gegen ihn ausgesprochen würde und er damit „vogelfrei“ war. Das bedeutete, dass ihn jeder umbringen konnte, ohne dafür belangt zu werden.

Martin Luther wurde ungewollt zum Begründer einer neuen, der evangelischen Kirche, aber auch gewollt zu einem Vorbild der Standhaftigkeit und des Gottvertrauens. Die evangelische Kirche in Dörnigheim eifert diesem Vorbild in ihrer Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit, in der Seelsorge und in all ihren Hilfseinrichtungen nach.

Ich hoffe, dass das Reformationsjahr mit der Rückerinnerung an Martin Luther diesen Eifer bestätigt und beflügelt. Denn in einer Zeit in der das Wort „Abschiebung“ populistisch zum Zauberwort für die Lösung aller Probleme gemacht wird, brauchen wir Menschen mit Standhaftigkeit und Gottvertrauen.

Erwin Henkel

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