Türen öffnen - Heimat der Seele, Rastplatz der Besinnung, Kunstwerk
Ich fühle mich in der Evangelischen Kirchengemeinde Dörnigheim stets gut aufgenommen und aufgehoben, denn…..
Gemeinde und Kirche – das bedeutet Heimat. Durch die Jahrhunderte hinweg haben die Menschen Zuflucht genommen in Gotteshäusern und seinen Gemeinden. Kirchen waren Orte der Sicherheit, des Schutzes und der Einkehr.
Gemeinde und Kirche – das bedeutet Rastplatz auf dem Weg des Lebens. Wann immer Menschen in Not oder Bedrängnis waren, rief sie die Glocke zusammen, spendete ihnen die Gemeinschaft der Gläubigen  Stärke und Zuversicht.
Gemeinde und Kirche – das bedeutet Quelle der Kunst. Zu allen Zeiten waren die Menschen bereit zu spenden, ihr persönliches Opfer zu bringen. Oft reichte der Stolz einer freien Bürgerschaft aus, sich selbst große Opfer aufzuerlegen, um ein Gottes- oder Gemeindehaus zu schaffen, das seines Namens würdig war.
Heimat der Seele, Ratsplatz der Besinnung, Kunstwerk – diese drei Ansprüche erfüllen viele der Leitmotive der Evangelischen Kirche in Dörnigheim. Und sie tun  dies auf eindrucksvolle Weise. Sie stehen für die 500 jährige Tradition der Reformation.
Wir leben in einer Zeit, die nach Meinung vieler durch wachsende Gleichgültigkeit des Menschen gegenüber dem Mitmenschen gekennzeichnet ist. Ohne Zweifel hat diese These mancherlei für sich, wenngleich sie doch wohl nicht ganz so krass zutrifft, wie diejenigen, die sie vertreten, uns glauben machen wollen. Häufig trifft sie aber zu, dass sich der Mensch unserer Tage mehr und ehr um nichts anderes als sein eigenes Schicksal kümmert und für das Leben seines Nachbarn kaum noch Interesse zeigt. Er fragt kaum mehr danach, wie er das Los seines Mitmenschen erleichtern kann, er interessiert sich fast nur noch für seinen eigenen Vorteil, ohne an seine Verantwortung für den Nächsten zu denken.
Irgendwo hat sich ein furchtbares Erdbeben ereignet. In einem anderen Land unserer Erde ist ein Fluss über seine Ufer getreten und weite Landstriche verwüstet und die Bewohner obdachlos werden lassen. Woanders hat eine Sturmflut oder ein Wirbelsturm binnen weniger Stunden oder auch nur Minuten die Menschen vor ein Nichts gestellt. Wir lesen es in der Zeitung, sehen es im Fernsehen oder hören es im Radio. Man findet das Schicksal der Betroffenen hart und vielleicht auch ungerecht, aber man geht darüber wieder zur Tagesordnung über. Und diese Tagesordnung dreht sich um die eigene Person, allenfalls noch um die Familie und die nächsten Verwandten. Man vergisst, dass schon im nächsten Augenblick das harte und unverständliche Schicksal an die eigene Tür klopfen kann und man dann vielleicht selbst auf die Hilfe anderer angewiesen sein wird. Man wiegt sich in einer fragwürdigen und ungewissen Sicherheit und tut so, als ob einen das alles nur sehr wenig anginge und als ob es ein Ding der Unmöglichkeit sei, dass man selbst einmal froh und sein dankbar sein müsste, das andere am eigenen Schicksal Anteil nehmen. Dabei weiß niemand von uns, was ihn schon in der nächsten Minute erwartet. Keiner darf davon überzeugt sein, dass ausgerechnet er ein Kind des Glückes ist, denn das Unglück fragt nicht nach Stand und Vermögen. Wir alle sind dem Zufall und dem großen Unbekannten ausgeliefert, der in unser aller Leben eine wesentliche Rolle spielt. Der Mensch ist Glied einer großen Gemeinschaft, und diese Gemeinschaft trägt für ihn eine große Verantwortung.
Die Evangelische Kirche hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, den Menschen an diese Verantwortung zu erinnern, sie hat gleichzeitig die Verpflichtung übernommen, selbst tatkräftig an ihrer Verwirklichung mitzuarbeiten.
Nach  Kriegsende, vor allem in den 50iger Jahren des vorigen Jahrhunderts und auch heute kamen und kommen Bürgerinnen und Bürger als Flüchtlinge oder Vertriebene in unsere Gemeinde nach Dörnigheim. Sie mussten ihre Heimat verlassen und hatten damit auch ihr kirchliches Zuhause verloren. „Fremde können Freunde sein, die man nur noch nicht kennengelernt hat“ – so sorgt man mit Hilfsbereitschaft dafür, dass sich Flüchtlinge willkommen fühlen.
In unserer Gemeinde fanden oder finden sie eine neue Heimat und ihr Fremdsein konnten bzw. können sie gemeinsam überwinden. Denn ist gibt keinen „falschen Glauben“ oder eine „falsche Herkunft“. Dafür ist diese Kirche ein Ort der gemeinsamen Begegnungen und der Zusammengehörigkeit in guter Gemeinschaft, in der Religions- und Meinungsfreiheit sowie das Bekenntnis zu den Menschenrechten im Vordergrund stehen. Das ist für viele Mitbürger ein Grund großer Dankbarkeit  Die Evangelische Gemeinde wurde und ist Heimat und Ausgangsort für das eigene Leben in Beruf, Familie und Freizeit. Dies gilt nicht nur für die vielen Kinder und Jugendliche, die in der wunderschönen „Alten Kirche“ dieser Gemeinde getauft und konfirmiert wurden, sondern auch für Hochzeiten, Geburtstage und Jubiläen, sowie aber auch für Menschen in Krankheit, Leid und Trauer.
Zahlreiche Gruppen und Kreise der Evangelischen Kirchengemeinde bieten für viele Bürgerinnen und Bürger in Dörnigheim und darüber hinaus Orientierung im Glauben, soziale Kontakte und konkrete Hilfestellungen in schwierigen Lebenslagen. Ob bei der Jugend oder den Senioren, die Arbeit der Evangelischen Kirchengemeinde trägt wesentlich zu einem intakten und vertrauensvollen Zusammenleben in unserer Kommune bei. Besonders bemerkenswert für mich und uns als bürgerliche Gemeinde ist, dass sich die Kirchengemeinde sehr aktiv in das Leben der gesamten Ortschaft einbringt, sei als Trägerin eines Kindergarten, eines Jugendzentrums, einer Hobbythek, sei es bei Aktivitäten wie Ausländer- und Gemeindefest. Auf die Evangelische Kirchengemeinde ist Verlass. Sie bringt sich für das Gemeinwohl ein. Das ist gelebtes Christentum.
Die Kirchengemeinde lebt neben den Gottesdiensten in der Kirche und in der Seniorenwohnanlage auch vom Engagement in der Jugendarbeit, Erwachsenenarbeit, der Arbeit des Posaunen- und des Kinderchores sowie der Mitarbeit bei den Seniorennachmittagen.
Und dies, obwohl oder gerade weil es nicht immer einfach ist für die Verantwortlichen in unserer Evangelischen Gemeinde. Viel Verantwortung ist zu übernehmen, gerade auch in Zeiten, wo die Kirche heute vor neuen entscheidenden Herausforderungen steht. Die Gemeindemitgliederzahlen gehen zurück und Kirchensteuermittel werden geringer. Die Kirche verändert sich, sie muss sich den Fragen der Menschen und der Gesellschaft stellen und ihre Angebote neuen Bedingungen anpassen. Sie muss mit geringer werdenden Ressourcen an Gemeindemitgliedern und finanziellen Möglichkeiten leben. Der Weg in die Zukunft wird kein leichter sein! Viele Maßnahmen müssen ergriffen werden und häufig sind die Möglichkeiten begrenzt. Auf dem Weg in die Zukunft gibt es keine bessere Grundlage als die Gewissheit, die wir in der Bibel  unter Josua 1,5 (leicht abgewandelt) finden: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“.
Auf dieser Zusage wünsche ich der Evangelischen Kirchengemeinde in Dörnigheim, dass  alle Verantwortlichen sich nicht ins stille Kämmerlein zurückziehen sondern sich in Gottesdiensten und Projekten weiterhin engagieren und bei besonders strittigen Fragen gemeinsam mit dem gewählten Kirchenvorstand oder gar Gemeindeversammlungen zuversichtlich auf den Weg machen und eine lebendige Gemeinde bleiben.
Jürgen Malbrich

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