Zauberhafte Klänge und Bilder

Kinderchor Dörnigheim überzeugt mit interkulturellem Musiktheater „Lundi“

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Plötzlich war alles weiß. Die Kinder hatten den Winter gebracht, ein großes Wesen mit roter Frostnase. Der Schwanz des Winters war ein riesiges weißes Tuch, das die Kinder sorgfältig über die Bühne breiteten.

Wajed Alhafyan spielte dazu auf seiner Kanun eine Improvisation, die den Winter sehr gut interpretierte. Dann verschwand Lundi, das kleine Wesen, das aussieht wie ein Pinguin. Seine zwei seltsamen Freunde, Teekanne und Zweihand, suchten ihn, unterstützt von den Kindern des Chores. Doch Lundi blieb verschwunden.

Vorher hatte Lundi (dt. Montag) mit seinen Freunden Tee getrunken und Klavier gespielt. Anschließend hatte man sich verabschiedet, einander zugewunken, und dann erlebte das Publikum im vollbesetzten Saal des Evangelischen Gemeindezentrums ein ganzes Jahr: Der Frühling zog über das Land, gefolgt von Sommer und Herbst. Die Jahreszeiten waren von Christel Schätzler kunstvoll bemalte große Wesen aus Stoff, die jeweils von mehreren Kindern gemeinsam auf die Bühne getragen wurden.

Bemerkenswert waren die leisen, ruhigen Bewegungen, mit denen die Kinder im Alter von vier bis elf Jahren bei der Sache waren, während sie gleichzeitig laut und bestens verständlich sangen. Lija Gabriel hatte als Darstellerin des Lundi die Aufgabe, das Leben und die jahreszeitlichen Tätigkeiten der Bilderbuchfigur fast ausschließlich pantomimisch darzustellen. Die junge Hauptdarstellerin meisterte dies gekonnt, während sie alle Lieder des Chores mitsang.

Der erst vierjährige Oskar Bitter hatte die Rolle des Raben übernommen und überzeugte durch souveränes Spiel, zu dem unter anderem pantomimisches Kirschenessen und Seifenblasenmachen gehörten. Mia Schäfer spielte in Reifrock, roter Mütze und Erdbeernase eine wunderbare Teekanne. Eloy Michael war im übergroßen Hemd und mit zwei weißen Socken als Handschuhe eine überzeugende Verkörperung der Bilderbuchfigur Zweihand. Überraschungsmoment war der Auftritt von Lundi Nummer Zwei, dargestellt von Aurelia Lobemanga. Denn ein Montag ist schnell vorbei. Doch es kommt ein neuer Montag.

Der Lauf der Zeit, das Abschiednehmen und Wiederkommen ist das zentrale Thema des Bilderbuchs Lundi von Anne Herbauts, das der Evangelische Kinderchor am vergangenen Samstag zum zweiten Mal auf die Bühne brachte. Die Idee dazu stammt von der Chorleiterin Ulrike Streck-Plath. Die erstaunlichen, sehr gefühlvollen Melodien der Lieder wurden von den Kindern des Chores 2013 komponiert, auch die jetzige Besetzung steuerte eine eigene Melodie bei.

Begleitet wurden die Kinder sehr einfühlsam vom Musikensemble Hanien aus Mannheim. Magdalena Zgela (Klavier), Wajed Alhafyan (Kanun) und Tarek Zakharia (Percussion). Dazu gehörte jedoch nicht nur die improvisatorische Begleitung der Lieder. Das Ensemble steuerte auch Bearbeitungen von Liedern aus Syrien, der Türkei und Kroatien bei. Zum musikalischen Konzept des Stücks gehört diese offene musikalische Form, die es mit sich bringt, dass Lundi unwiederbringlich so nur in Dörnigheim aufgeführt wurde.

Auch musikalisch hält sich das Bühnenwerk also konsequent an die zentrale Botschaft der Geschichte: Alles vergeht. Was bleibt, sind Bilder, Töne und Erinnerungen. Doch so, wie Lundi am Samstag erklang, wird man es nie wieder hören oder sehen.

Der Zusammenklang von Klavier, dem arabischen Zupfinstrument Kanun und der vielfältigen Percussion erzeugte einen ganz eigenen, ungewohnten und dabei sehr angenehmen Klang, der von Chorleiterin Streck-Plath bewusst gewählt worden war. Denn das Miteinander verschiedener Kulturen liegt der Künstlerin am Herzen. Das gilt ebenso für das Miteinander der Generationen. Darum waren auch bei dieser Aufführung Erwachsene beteiligt. Monika Rauch und Klara Streck unterstützten die Kinder bei der Mehrstimmigkeit mancher Lieder, halfen beim Bewegen größerer Requisiten und sorgten für den Wechsel der farbenprächtigen Hintergrundbilder.

Das Publikum, das zum Mitsingen eingeladen war und diese Einladung sangeskräftig gerne annahm, bedankte sich bei den Mitwirkenden mit tosendem Applaus für diese gelungene Aufführung einer zauberhaften und tiefgründigen Geschichte.

Nach einer Zugabe folgte das traditionelle gemeinsame Feiern. Lundi war eingebettet in den Tag der offenen Gesellschaft und fand statt im Rahmen des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, unterstützt von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die Kinder bereiten nun bereits das nächste Stück vor: Etwas von den Wurzelkindern, eine Geschichte von Sibylle von Olfers, wird am 22. September in Kooperation mit dem Evangelischen Kindergarten aufgeführt.

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